Selbstironie - die lustigste Art der Reflektion
Reflektion - ja, das gibt es nicht nur bei elektromagnetischen Wellen oder Leitplanken! Sogar Menschen können das - selbst, wenn sie Amateurfunker sind (so die Wissenschaft und ausgewiesene Expertenmeinung). Amateurfunker werden nicht selten als verschroben dargestellt. Manchmal trifft es sogar zu, manchmal sogar bei einem selbst. Wir sind schone eine “gewisse Sorte Mäuse”, wenn man ehrlich mit sich selbst ist. Aber: alles hat seinen Charme - man muss ihn nur zu nehmen wissen. Und damit sind wir in diesem Falle auch schon bei der größten Herausforderung angelangt.
Um abzukürzen folgt hier ein lustigert Text, etliche Jahre alt… unbekannter Autor. Noch immer irgendwie verständlich und lustig - beiweilen sehr nah am echten Leben.
Danke an einen Kameraden für die Bereitstellung. Bevor der unbekannte Autor Unterlassungsklage oder Erzwingung von Lizengebühren erhebt, so möge er sich bitte beim Kassenwart zur Verhandlung melden. Wir finden für die Veröffentlichung auf dieser eher mäßig besuchten Seite garantiert eine befriedigende Lösung!
Nun aber zum Text:
Ein Tag auf einem 2-m-Amateurfunkrelais, irgendwo in Deutschland
7:15 Uhr: Weißes Rauschen….
7:16 Uhr: Es ertönt ein sägezahnförmiger 1750-Hz-Rufton, der von einem langanhaltenden Gähnen zu einem vollständigen Ruf ergänzt wird. Anscheinend war das Gähnen sehr markant, denn umgehend erfolgt eine gezielte Antwort.
7:20 Uhr: Die Frequenz beginnt sich zu beleben. Man diskutiert über das Wetter, über den Straßenzustand, über Aufstehen im allgemeinen, über den gerade einsetzenden Schneefall und über ähnliche, dem Amateurfunk stark verbundene Themen.
7:45 Uhr: Um die anhaltende Müdigkeit zu vertreiben, beginnt man sich durch gekonnt an- gebrachte, einem gewissen Humor nicht entbehrende Zwischenrufe aufzumuntern. Ein neu- lizenzierter OM hört diese Scherze, auf die es in einem gewissen Teil Deutschlands bereits Rente gibt, zum ersten Mal und lacht darüber. Allgemeine Bewunderung.
7:50 Uhr: Der Schneefall steigert sich. Nun meldet sich ein Außenposten des HAM-Straßen- informationsdienstes und berichtet von einem längeren Stau in der Mega-Ohm-Straße. Er tut dies mit einer bewundernswerten Ausführlichkeit und auch sehr langatmig. Ehe er auch noch die einzelnen Autotypen aufzählt, die an dieser Stauung teilnehmen, wird er unterbrochen. Dankbar für diese Frühwarnung ändern alle OMs, die ihrer Arbeit zustreben, die Fahrt- richtung und verstopfen die Nebenstraßen. Ein ortsunkundiger OM verliert die Orientierung und die Nerven. Er bittet verzweifelt um Hilfe. Sofort widmet man sich diesem Problem und beginnt den Verwirrten kreuz und quer durch die Stadt zu dirigieren. Nach einigen Minuten bricht die Funkverbindung ab. Der Bedauernswerte war falsch abgebogen und in einer Tief- garage gelandet.
8:00 Uhr: Das erste Problem technischer Art taucht auf: Ein Wagen will trotz aller Versuche seines Fahrers nicht anspringen. Sofort ertönen gute Ratschläge von allen Seiten, die jetzt noch nicht ausgewertet werden können, da zwei bis drei Stationen simultan sprechen. Der beste Ratschlag kommt von einem autorisierten Fachmann, der vorschlägt, aus Gründen der Stromersparnis sofort das Funkgerät abzuschalten und dann unbekümmert weitere An- weisungen gibt, ungeachtet der Tatsache, daß ihn der Arme mit dem abgeschalteten Funk- gerät kaum hören wird.
8:15 Uhr: Der erste OM hat trotz des schlechten Straßenzustandes seinen Arbeitsplatz er- reicht. Man beglückwünscht ihn zu diesem einzigartigen Beispiel fahrerischen Könnens und er bedankt sich überschwänglich.
8:30 Uhr: Es wird langsam ruhiger, der Arbeitsalltag beginnt.
9:00 Uhr: Man unterhält sich über das aktuelle und gravierende Problem, ob permanente HF- Einstrahlung impotent macht. Allgemeines Unbehagen tritt auf. Der schwammige Begriff Elektrosmog wird zunächst akribisch in diskrete Frequenzspektren zerlegt. Dann diskutiert man bei welcher Betriebsart bzw. Leistung es gefährlich werden könnte. Schließlich einigt man sich darauf, daß wie aus der Tagespresse bekannt, nur gepulste Digitalstrahlung schädlich sei. Der Einwand eines C-Lizenzlers, daß Morsetelegrafie auch eine gepulste, digitale Betriebsart sei wird geflissentlich überhört.
9:25 Uhr: Man schlägt vor, der DARC solle wegen stetig sinkender Mitgliederzahlen einen Film mit dem Titel „Amateurfunker-Report“ drehen lassen. Ein älterer OM protestiert: Er sei kein Hobbyfunker, sondern betreibe einen ernstzunehmenden und weltweit anerkannten Funkdienst! Wenn überhaupt, dann wäre „Funkamateur-Report“ als einzig vorstellbarer Titel angebracht. Bevor sich ein heftiger Generationenkonflikt abzeichnet lenkt ein jüngerer DO-ler das Gespräch auf alte Wehrmachtfunkgeräte. Man schwelgt in Erinnerungen…
10:00 Uhr: Es tauchen Erziehungsprobleme auf: Es wird behauptet, daß ein Kleinkind, das ständig des Relaisfunkverkehrs teilhaftig wird, einen schweren seelischen Schaden davontragen kann, der bis zum völligen Versagen im späteren Physikunterricht führen kann. Nach eingehender Diskussion erweitert man die nötige Schutzwürdigkeit auf im Shack anwesende Tiere. Ein OM bestätigt, daß sein Papagei durch das ständige Imitieren der Relaiskennung kaum mehr zum Fressen kommt. Sofort wird der Vorschlag angenommen, den armen Vogel als neues OV-Mitglied in der günstigen Beitragsklasse ohne CQ/DL-Bezug aufzunehmen, ihn bezüglich seiner CW-Kenntnisse mit einer B-Lizenz honoris causa auszustatten und im Clubheim zu isolieren. Allgemeine Zustimmung über die Genialität der Problemlösung er- füllt das Band.
11:00 Uhr: Zum ersten Mal nennt jemand sein Rufzeichen. Peinliche Stille folgt. Man weiß nicht so recht, was man davon halten soll. Dann wird der sensationelle Vorschlag aufgegriffen und ein allgemeines Rufzeichennennen erfüllt den Kanal. Mithörende Schwarzfunker rülpsen oder imitieren täuschend echt Tierstimmen. Die Anwesenheitsbeweise werden lautstark mit heftigstem Ignorieren seitens der Relaisgemeinschaft bestraft.
12:15 Uhr: Jemand, der als notorischer Quengler bekannt ist, behauptet, dieser Kanal sei kein Kanal, sondern ein ganzes Band für sich. Er habe einen sehr trennscharfen Empfänger und müsse nun laufend die Abstimmung korrigieren. Da ihm der Besitz einer B-Lizenz eine ge- wisse Kompetenz verleiht, nimmt man sich dieses Problems an. Man einigt sich nach kurzer Grundlagendiskussion darauf, daß die Frequenzen der einzelnen Stationen vielleicht ge- ringfügig variieren können. Die Quarze sind auch nicht mehr das, was sie vor dem Krieg einmal waren. Dieses Problem sei jedoch völlig unbedeutend, da echte praxisnahe FM- Empfänger mindestens 50 kHz breit sind. Der Quengler sei also selbst Schuld. Warum kauft er sich auch so einen unpraktischen, schmalbandigen Empfänger?
13:00 Uhr: Jemand fragt, wie spät es ist. Umgehend werden von allen Seiten Vorschläge eingereicht, die um insgesamt 15 Minuten variieren. Man beginnt, unter Anleitung eines Akademikers im Vorruhestand, das arithmetische Mittel zu bilden und einigt sich gegen ungefähr 13:20 Uhr darauf, daß es ziemlich genau 13:00 Uhr sei. Nachdem die Rechnung nochmals überprüft worden ist, steht das amtliche Endergebnis der Zeitanalyse fest. Der lächerliche Einwand, inzwischen sei aber einige Zeit vergangen, wird durch die Bemerkung entkräftet, so genau komme es ja nicht darauf an.
14:40 Uhr: Jemand, der viel herumkommt erzählt, er habe etwas von einem Logbuch gehört. Was das denn sei? Allgemeine Ratlosigkeit. Jemand versichert, es sei eine neue Formel- sammlung für den Funkamateur, sie sei ganz toll und dabei gar nicht teuer. Man beschließt sofort fünf Exemplare von dieser neuen Literatur für die OV-Bücherei anzuschaffen.
15:00 Uhr: Der erste unangenehme Zwischenfall des Tages: Ein OM versucht während der Fahrt sein defektes Bedienteil zu reparieren und prallt mit voller Wucht (er: höchstens 40 km/h; die Polizei: ungefähr 60 km/h; einige Zeugen: mindestens 80 km/h) auf eine Kolonne auf, die unverschämterweise mitten auf der Straße herumstand. Er verabschiedet sich mit der Bemerkung, er habe mit seinem Vordermann einige versicherungstechnische Angelegenheiten zu regeln. Bedauerlicherweise brachte die Polizei nicht das geringste Verständnis für seinen Funkgeräteservice während der Fahrt auf.
15:10 Uhr: Angesichts des Feierabends hebt sich die allgemeine Stimmung, doch der Schnee fordert weitere Opfer. Jemand fährt in Hochstimmung und voller Schwung in den Graben. Man nimmt dies zum Anlass, über den Streudienst, die Stadtverwaltung und das Wetter zu schimpfen und überhaupt, früher wäre das Wetter anders gewesen. Mit viel fahrerischem Können und unter ermunternden Zurufen seiner Funkpartner gelingt es dem Ausrutscher seinen Kraftwagen wieder auf die Fahrbahn zu befördern. Als er jedoch aussteigt, um den Schaden an seiner Halogenlampenbatterie zu schätzen, prallt ein vom Kurs abgekommener, schleudernder Wagen auf sein Heck und schubst sein Auto erneut in den Graben. Er resigniert und geht zu Fuß nach Hause.
15:25 Uhr: Inzwischen diskutiert man darüber, ob man den anachronistischen Funkverkehr auf Kurzwelle nicht ganz abschaffen sollte. Schließlich wäre störungsfreie Kommunikation mittels D-Star und Internet zeitgemäßer. Dummerweise wohnt der Diskussion ein B-Lizenzler bei, so daß das Gespräch nicht objektiv fortgeführt werden kann.
15:30 Uhr: Jemand hat das Schlagwort „Funkschrott“ in Verbindung mit hochwertigen Taxi- funkgeräten aus den 50er Jahren fallen lassen. Die Entrüstung kennt keine Grenzen. Man spricht von Lynchen und sogar vom Clubausschluss. Davon wird dann doch abgesehen, da der betreffende OM OVV ist und nur unter ernormen Schwierigkeiten ein Ersatz für ihn zu beschaffen wäre.
15:40 Uhr: Jemand treibt die gereizte Stimmung auf die Spitze, indem er mitten ins QSO hinein „CQ CQ DX“ ruft. Aus einleuchtenden Gründen nennt er dabei kein Rufzeichen. Man einigt sich darauf, daß dies ein Scherz sein sollte und belacht ihn ausgiebig.
16:00 Uhr: Die Stimmung bessert sich wieder etwas. Jemand mußte sein ins Schleudern ge- ratenes Fahrzeug durch schnelle Lenkbewegungen abfangen. Als er vor lauter Rutschen schon kleine Sternchen sah und ihm schwindelig wurde, entschloss er sich der Sache ein schnelles Ende zu bereiten. Er pilotierte seinen Wagen sehr sicher und ziemlich zielstrebig gegen ein Verkehrsschild. Dann machte er sich auf die Suche nach seinem Mikrofon, daß ihm bei der Slalomfahrt aus dem Fenster gefallen war. Er fand es auch wieder, allerdings war zwischen- zeitlich ein LKW darüber gefahren und seine Stimme klang etwas gedrückt.
16:10 Uhr: Durch diesen Vorfall angeregt, unterhält man sich über das Fahren im Schnee. Der unbeteiligte Beobachter gewinnt den Eindruck, daß alle Beteiligten über enorme Rallye- erfahrungen verfügen und mindestens einmal die Rallye Monte Carlo gefahren sind. Es ist ein wahrer Genuss den Profis zuzuhören. Der Einwand, ein Könner käme erst gar nicht ins Schleudern, wird als dekadent und ketzerisch abgetan.
16:20 Uhr: Ein permanenter Lästerer zieht diese ernsten Betrachtungen über Powerslide und Driften im Schnee völlig unbegründet ins Lächerliche, indem er behauptet, er habe beim letztjährigen 24-Stunden-Rennen von Pommes Frites einen goldenen Maggiwürfel sowie eine kostenlose Baggerfahrt durch die Eifel gewonnen. Man erhebt ernsthafte Zweifel an seinen Geisteszustand.
16:30 Uhr: Man wendet sich wieder funktechnischen Problemen zu. Es wird vorgeschlagen, für die Klubstation die neue Kurzwellenendstufe „Sound of Power“ anzuschaffen. Sie hat so schöne große Hebel und so viele bunte Lämpchen. Außerdem passt die Farbe des Gehäuses genau zur Tapete im Klubheim und es wäre endlich der freie Platz auf dem Tisch ausgefüllt. Beifälliges Gemurmel. Solch’ fundierten, technisch durchdachten Argumenten kann sich niemand verschließen. Die Diskussion wird verzögert, weil man einem Beteiligten erst er- klären muß, was Kurzwelle ist. Der OVV fällt zum zweiten Mal unangenehm auf, er weiß es nämlich auch nicht.
16:50 Uhr: Ein ortsfremder OM fragt nach einer Straße. Man macht ihm kurz und mit der nötigen Schärfe klar, daß man für derartige Lappalien im Moment wirklich keine Zeit habe. Und überhaupt, dies sei ein weltoffenes Relais mit geschlossenem Benutzerkreis und festem Diskussionsthemenkatalog. Fremde Rufzeichen oder abgehobene Technikthemen seien hier unerwünscht. Was sich diese Touristen auch immer denken…
17:00 Uhr: Die allgemeine Bastelstunde hat begonnen. Während ein OM damit beschäftigt ist, aus einem Heizlüfter einen Antennenrotor zu machen, kürzt ein anderer seine Fahrzeug- antenne, mit der er bereits mehrere Male an die Oberleitung der Straßenbahn gekommen ist. Nachdem er auf Anraten einiger OMs sein Funkgerät öffnet, sieht er einen schwarzen, ver- kohlten Haufen Elektronikschrott vor sich. Er beschließt spontan Briefmarken zu sammeln und verabschiedet sich.
17:15 Uhr: Ein Dauerbastler schließt seine seit Wochen andauernden Arbeiten an seinem Farbfernseher ab. Er hat einen vollen Erfolg zu vermelden: Während am Anfang seiner Bemühungen nur der Ton zu leise war, geht jetzt rein gar nichts mehr. Er behauptet, es sei aber trotzdem sehr nützlich, denn er habe dabei viel gelernt. Dennoch ringt er sich jetzt dazu durch einen Fachmann zu ordern, um das Gerät wieder zu restaurieren. Eine Werkstatt wird ihm besonders empfohlen. Während man bei den anderen Betrieben immer einen Monat warten müsse, würde dieser Experte schon nach 4 Wochen kommen. Er bedankt sich für den Tipp und verspricht sogleich dort anzurufen.
17:30 Uhr: Es kommt jemand mit einem recht labilen VFO vorbei und sagt kurz „guten Tag“. Ehe jemand seinen Gruß erwidern kann, ist er bereits wieder verschwunden und mehrere kHz weitergelaufen. Bestimmt eine abwechselungsreiche und interessante Betriebsart, die Zukunft hat.
18:00 Uhr: Es wird über den Sinn und Unsinn von weitreichenden FM-Umsetzern diskutiert. Man kommt zum überraschenden Ergebnis, daß es wegen der mathematischen Verknüpfung von Radius zu Kreisfläche einen quadratischen Zusammenhang zwischen Reichweite und Anzahl der Relaisstörer geben muß! Der OVV schlägt konsequenterweise vor, den fernsteuer- baren 65,9dB-Abschwächer permanent zugeschaltet zu lassen. Allgemeine Unruhe und vor- auseilende Relaisnichtmehrerreichbarkeitsentzugserscheinungen machen die Runde.
18:30 Uhr: Man diskutiert immer noch über Umsetzer. Um dem Problem der Trägersteller habhaft zu werden, wird vorgeschlagen alle FM-Relais durch SSB-Lineartransponder zu er- setzen. Der Vorschlag wird einstimmig abgelehnt. Ein wohlwollendes Rülpsen aus dem Kreis der Nichtlizenzierten bekräftigt die weise Entscheidung.
19:20 Uhr: Man stellt fest, daß das 70-cm-Ortsrelais im Moment gerade besonders gut auf- zunehmen ist. Das liegt bestimmt am Schnee. Der OVV meldet sich wieder zu Wort und be- merkt schüchtern, das könne gar nicht sein, er habe den Umsetzer Zwecks Reparatur bereits vor Tagen abgebaut, und der Sender stände im Moment neben ihm auf dem Fußboden. Nun wird es der illustren Runde aber zu bunt. B-Lizenz hin, B-Lizenz her, das berechtigt ihn noch lange nicht, laufend seinen Senf hinzuzugeben und zu stänkern. Wenn man den Umsetzer gehört habe, dann habe man ihn gehört. Vielleicht habe man einen besonders empfindlichen Empfänger. Man merkt jedoch alsbald, daß diese Argumente technisch nicht haltbar sind und wechselt schnell das Thema.
19:55 Uhr: Allgemeines Verabschieden, die Fernsehzeit beginnt.
20:45 Uhr: Ein Holländer, der mit den deutschen Gewohnheiten anscheinend nicht vertraut ist, ruft zu dieser unmöglichen Zeit „CQ“, natürlich vergeblich.
22:00 Uhr: Jemand rülpst ins Mikrofon, der Krimi ist beendet.
22:10 Uhr: Nachdem sich jeder von der Mattscheibe losgerissen hat, beginnt man, den eben gesehenen Krimi ausgiebig zu analysieren und zu diskutieren. Man entdeckt einen Fehler im logischen Ablauf des Falles.
22:20 Uhr: Es wird energisch bestritten, daß jemand, der von hinten erschossen wird, nach hinten umfällt. Da derjenige, der das bestreitet, weder jemals jemanden erschossen hat, noch erschossen worden ist, spricht man ihm die Kompetenz für dieses brisante Thema ab.
22:25 Uhr: Man unterhält sich in Ermangelung funktechnischer Probleme über Ballistik und plaudert von Morden und deren Vorbereitung.
22:30 Uhr: Mitten hinein in diese interessante Unterhaltung pfeift sich ein rückständiger VFO-Besitzer stundenlang ein und nennt auch noch provozierend sein Rufzeichen. Natürlich wieder dieser popelige OVV. Jetzt ist aber Schluss. Nach einem kurzen Volksbegehren werden für den nächsten OV-Abend kurzerhand Neuwahlen ausgeschrieben. Das kann man beruhigt im Namen der Allgemeinheit feststellen, denn wer nicht auf diesem Relais QRV ist, der hat sowieso nichts zu sagen. Unsere Kanalarbeiter können nicht hören, daß sich der ab- gesetzte OVV kurz darauf in einem SSB-QSO für den guten Tipp bedankt und sagt, es hätte gut geklappt und er wäre diesen undankbaren Posten jetzt endlich los.
22:40 Uhr: Die ersten Witze werden verbreitet, allgemeines Gelächter.
22:50 Uhr: Jemand will ins Bett. Man macht ihm erfolgreich klar, daß er jetzt unter Um- ständen wichtiges verpasst, wenn er gerade jetzt abschaltet. Das leuchtet ihm ein und er bleibt noch etwas.
23:00 Uhr: Ein neu hinzugekommener OM fragt freundlich übers Relais an, ob er mit seiner 2-m-Originalhandfunkengummiwendelminiaufsteckkurzantennentarnattrappe aus dem Keller rauschfrei übers Relais zu hören sei. Man bestätigt ihm gelangweilt die einwandfreie Nicht- hörbarkeit. Die Hochstimmung nimmt langsam ab, die Durchgänge werden immer länger. Jemand schläft auf der PTT ein und läßt einen schwachen Dauerträger stehen.
23:30 Uhr: Es wird allerorten QRT angemeldet und auch genehmigt.
23:40 Uhr: Zwei standhafte OMs unterhalten sich noch über Modelleisenbahnen. Der eine hat ein echtes Problem, mit dem er bereits seit Tagen kämpft. Wenn sein Schnellzug von links nach rechts über das Kontaktgleis fährt, dann schaltet das Signal korrekt auf Grün. Kommt der Zug aber von rechts, fliegen alle Sicherungen heraus. Man überlegt und wägt ab. Ein Spätheimkehrer meldet sich und macht einen fundierten Vorschlag zur Lösung der Misere.
23:50 Uhr: Die Sicherungen fliegen nun nicht mehr heraus, dafür steht jetzt der Trafo in Flammen. Nach erfolgreichem Löschversuch verabschiedet sich der leidgeprüfte Modell- bahner. Man vertagt das Problem auf morgen.
23:55 Uhr: Der verirrte Tourist sucht immer noch nach der Straße und fragt schüchtern nach, ob ihm vielleicht jetzt jemand helfen könne. Keine Antwort.
24:00 Uhr: Weißes Rauschen…